Paramour – Das Musical

Cirque du Soleil Paramour - kultur4all.de

Habe das Musical Paramour in der Neuen Flora in Hamburg gesehen.

Die Musik stammt aus der „goldenen Zeit Hollywoods“, also aus der Zeit zwischen 1930 und Ende 1950. Für mich strahlt diese Musik viel Lebensfreude, Witz und Schwung aus. Damals allerdings spielten in den Revuen (auf der Bühne und im Film) ganze Orchester. Man kann hören, dass die Besetzung bei dieser Produktion deutlich kleiner ausfällt. Schade. Die Musiker selbst machen aber einen guten Job.

Das Bühnenbild füllt geschickt den ganzen Raum aus – unter anderem mit Animationen auf den Seitenwänden. Das ist deshalb eine gute Lösung, weil in dem Musical neben den großen Akrobatik- und Tanzszenen auch eine Reihe kammermusikalischer Nummern präsentiert werden (z.B. das Terzett von Indigo, Joey und AJ zusammen mit drei Trapez-Akrobaten).

Die Kostüme sind qualitativ hochwertig, stimmig und schön.

Meine Erwartung war, dass die Akrobatiknummern des Cirque du Soleil nicht so besonders gut mit der Musicalhandlung verschmelzen würden. ABER das ging sogar sehr gut.

Im ersten Akt hat mich die Regie des Musicals stark an die Revuen der 30er Jahre erinnert, allerdings fehlte dazu der Pompt dieser Zeit. Es waren dafür nicht genügend Darsteller auf der Bühne. Was mich zu einem anderen Punkt führt: mein Eindruck war, dass die Neue Flora als Haus zu groß ist für dieses Musical. Sicher: die Höhe der Bühne wird für die Akrobatik gebraucht, aber einige Szenen sind mit nur drei oder weniger Personen besetzt – die füllen dann weder die Bühne komplett aus, noch kann die emotionale Botschaft bis in die letzte Reihe transportiert werden (ich saß hinten im Parkett).

Apropos Emotionen: leider, leider wird die Hauptdarstellerin der Rolle des Stars nicht gerecht. Die Klangfarbe der Stimme gefiel mir zwar gut. Es wurden aber Töne und Silben verschluckt, so dass es schwer war, den Text zu verstehen. Außerdem kam ihre Entwicklung vom Landei (aus Indiana) zum Star sowie ihre Hin- und Hergerissenheit zwischen AJ und Joey nicht rüber. Schade.

Zur musikalischen Umsetzung läßt sich m. E. noch sagen, dass die zwei Komponenten – Gesang des Darstellers und Tontechik – die Sache gleichermaßen zum Erfolg führen. Für meinen Geschmack war hier und da doch sehr viel Hall auf den Stimmen und an der einen oder anderen Stelle drang die Gesangsstimme nicht gegen die Instrumentalisten durch. Hier würde ich mir eine feinere Abmischung seitens der Tontechnik wünschen. Übrigens: auch musikalisch sind einige Szenen kammermusikalisch angelegt: wenige Gesangsstimmen zusammen mit Geige und Cello ist schon ziemlich filigran und intim und passt m. E. besser in ein kleineres Haus.

Würde ich mir das Musical noch einmal ansehen? Ja, definitiv. Denn ich wurde sehr gut unterhalten. Die Kombination aus Akrobatik und Musical hat für mich funktioniert, die Musik-Richtung ist genau mein Geschmack, Kostüme und Bühnenbild sind stimmig und qualitativ hochwertig.

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