Elbphilharmonie Hamburg - kultur4all.de © Astrid Demand-SchnitzerElbphilharmonie in Hamburg | Foto: Astrid Demand-Schnitzer

Saisoneröffnungskonzert der Elbphilharmonie – ein Erlebnisbericht

Der junge Pianist Alexandre Kantorow eröffnet mit dem Klavierkonzert Nr. 1 von Johannes Brahms die Jubiläumsspielzeit der Elbphilharmonie. Zusammen mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Manfred Honeck erreicht der noch junge Pianist aus Frankreich nach meinem Empfinden das Publikum insbesondere mit den sehr leisen Partien des Konzerts. Es erschien mir, als krieche Alexandre Kantorow in die Töne hinein.

Zuvor am Tag während des Panel Talks erklärte die Percussionisten Vivi Vassileva, dass es aus ihrer Sicht sehr schwer sei, im großen Saal der Elbphilharmonie ein Pianissimo zu spielen, weil alles so verstärkt würde. Der Dirigent Manfred Honeck, der Österreicher, der seit 2008 das Pittsburgh Symphony Orchestra leitet, erreicht auch im Orchester ein super-zartes Pianissimo, so dass die Passagen zusammen mit dem Pianisten sehr eindrucksvoll gelangen.

Auch während der ruppig-dramatischen Stellen der drei Sätze blieb der Klavierton weich, virtuos gespielt war es sowieso. Nachdem der letzte Ton des Orchesters verklungen war, sprang Alexandre Kantorow unvermittelt auf und umarmte den Dirigenten. Für mich ein Ausdruck dafür, dass auch für einen Profimusiker ein Konzertabend eine emotionale Angelegenheit ist.

Als Zugabe präsentierte der Gewinner der Goldmedaille beim 16. Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau ein weiteres Stück von Johannes Brahms: die Ballade in d-Moll, op. 10 Nr. 1 gennant Edward. Eine eher trübe, leise Musik, die zwischendurch zu ernster Dramatik anschwillt und dann leise verklingt. Da war es dann musikmäuschenstill im Saal.

Nach der Pause beeindruckte das Pittsburgh Symphony Orchestra mit seinem Dirigenten mit der 5. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Bei diesem Komponisten scheiden sich die Geister: einige können wenig mit seinen Werken anfangen, andere sind begeistert. Nach meinem Empfinden hat das Orchester brillant gespielt, alle Energie in die Musik gesteckt. Die Musik selbst hat für mich etwas melancholisches, dramatisch-konfliktreiches. Ich denke, das spürt man auch, wenn man nicht viel Hintergrundwissen hat über das schwierige Leben zu Zeiten der Oktoberrevolution, unter Stalin und der sowjetischen Kulturpolitik, die restriktiv war und die auch teils mit Gewalt durchgesetzt wurde.

Das Orchester gab ebenfalls eine Zugabe: Tybalts Tod aus dem Ballett Romeo und Julia (op. 64a, Suite Nr. 1) von Sergej Prokofjew. Ein sehr temporeiches Stück und mitreißend gespielt.

Lesetipp zu Dimitri Schostakowitsch

Von Astrid Demand-Schnitzer

* Studium der Musikwissenschaften (Historische und Systematische Musikwissenschaften an der Uni Hamburg) * mit neun Jahren angefangen Geige zu spielen, heute singe ich gern im Chor * mit vier Jahren Ballett angefangen – bis heute dabeigeblieben * beruflich: Online-Marketing – lange angestellt in der Entertainment-Branche, seit 2017 selbständig

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